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Konzept Bilderzyklus I Ging
Gedanklicher Hintergrund meiner Arbeit
sind zwei höchst komplexe Informationssysteme, die in unerschiedlicher
Weise aus zwei Mustern ein System bilden und zur Darstellung und
Weitergabe ihrer Inhalte benützen: Das I GING, das altchinesische
"Buch der Wandlungen" und die DNS, die Desoxyribonukleinsäure,
das Trägersystem der Erbinformation der gesamten belebten Natur.
Das I GING , wörtlich das BUCH
DER WANDLUNGEN, ist ein vor etwa 3000 Jahren in China entstandenes
Buch. Seine Schöpfer beobachteten die Gestirne und Gezeiten,
die Pflanzen und Tiere sowie die Gesetzmäßigkeiten von
Naturereignissen. Zugleich erkannten sie regelmäßig wiederkehrende
Beziehungsmuster in Familie und Gesellschaft, in Handel und Politik,
in der Kriegsführung und in den ewig menschlichen Dramen von
Liebe, Ehrgeiz, Konflikt und Ehre. Aus dem Kosmos der Erscheinungen
bildeten sie einen Bedeutungskosmos von Symbolen, der in einer ganzheitlichen
Weise die Bereiche sowohl kulturgeschichtlicher wie biologischer
Wandlungen umfaßt, somit eine archaische Evolutionstherorie
darstellt. Zur bildhaften Darstellung der Symbole wurde ein binäres
System von 64 Hexagrammen entwickelt, die auf meinen Bildern dargestellt
werden.
Das I GING wird seit seinem Entstehen auch als Orakelbuch verwendet
Es gibt dabei verschiedene Methoden, ein Hexagramm aufzubauen, von
der ursprünglichen, recht komplizierten Methode mit 50 Schafgarbenstengel,
bis hin zur einfachsten mittels einer Münze. Schrift wird einer
durchbrochenen Linie (YIN) zugeordnet die Zahl der ganzen Linie
(YANG).
Die Münze wird geworfen und von unten nach oben werden die
Linien übereinandergestellt bis ein Hexagramm entstanden ist.
Die jeweilige Zufallsentscheidung des Orakels (die "Wandlung")
hat dabei die Funktion des "Einfalls", der die lebendige
Seele des sich im Sprachspiel bewegenden Erkenntnisprozesses ist.
Den Bildern werden die entsprechende Texte (in der Kurzform von
R.L.Wing) beigefügt.
Für die Erlaubnis zur Verwendung dieser Texte bedanke ich mich
bei ausdrücklich beim Eugen Diederichs Verlag Düsseldorf-Köln
Nicht weniger faszinierend ist das
zweite System, das durch 64 Hexagrammen dargestellt werden kann
- die Grundstruktur der DNS, der Desoxyribonukleinsäure, mittels
derer sämtliche genetische Informationen gespeichert und weitergegeben
werden. Sie besteht aus 4 Nukleotidbasen, Adenin, Thymin, Cytosin
und Guanin. Die vier Nukleotide treten jedoch nicht als selbständige
molekulare Bausteine auf sondern ausschließlich als die Paare
Adenin und Thymin sowie Guanin und Cytosin. Diese vier Bausteine,
von ihrer inneren Logik her ein binäres System, sind in sogenannten
Triplets angeordnet, den 64 „Grundworten“ oder „Codonen“,
die den Bauplan sämtlicher Lebewesen bilden.
Die verblüffende Isomorphie zwischen dem biochemischen Code
und dem altchinesischen Orakelsystem wurde zuerst von der Tiefenpsychologin
M. L.von Franz bemerkt, die ihre Beobachtungen im Jahre 1968 publizierte.
Sie stellte fest, daß hier „ein Pattern, welches den
Grundprozessen unseres Gedächtnisses, seiner Vererbung und
damit des Substrates unserer ganzen Bewußtseinsprozesse zugrunde
liegt, einerseits in China durch direkte Introspektion in die unbewußte
Psyche und andererseits im Westen durch die genetische Forschung
in der lebenden Zelle entdeckt wurde.“
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