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wahr.nehmung II
2.12 Das Bild ist ein Modell der Wirklichkeit.
Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus
Thema dieser Ausstellung ist der qualitative
Sprung vom Wahrnehmen zum Sehen - in einem sehr umfassenden Sinn.
Als Anschauungsobjekt dienen Bilder
der Schrift – einem gänzlich abstrakten Bildsystem. Schon
in der reinen Darstellung wird ihre Mehrdimensionalität durch
das Vorhandensein eines Schattens ausgedrückt. Die Schrift
schwebt gleichsam im Raum - ohne Körper – schon auf dem
Weg von der Zweidimensionalität ihres Zwischenlebens auf dem
Papier, dem Stein, der Tontafel zur Gedankenwelt des reflektierenden
Betrachters. Er nimmt sie wahr. Was er aber wahrnimmt erzeugt Irritation
– denn die Texte auf den insgesamt 18 Schriftbildern sind
in cyrillischer, chinesischer, persischer, hebräischer und
Sanskrit Schrift und Sprache, sowie in Brailleschrift verfasst.
Mit absoluter Selbstverständlichkeit
wird dem neugierigen Betrachter ein Mangel bewußt, der im
besten Fall das Bedürfnis nach Erkenntnis weckt, in der Regel
in wortlosem nachdenklichem Desinteresse versandet, nicht selten
aber auch in Verstörung mündet ob der Zumutung, im reinen
Kunstgenuß durch Unbekanntes, Fremdes gestört zu werden.
Natürlich aber ist Kunst kein
Grundnahrungsmittel, vielmehr eine Art von Weltanschauung. Das Bekenntnis
zu ihr muß sie sich hart erarbeiten. Ästhetische Konzeption
und anästethisches Marketing gehören neben inhaltlich
interessanten Fragestellungen zum Grundgerüst erfolgreicher
Wahrnehmung. Sehen freilich muß der Betrachter, ein Experiment
allemal – mit ungewissem Ausgang!
Präsentiert werden 18 Schriftbilder,
vorwiegend im Format 60 x 90 cm, Acryl und Blattgold auf Leinwand,
sowie etwa 10 Bilder die im Lauf der letzten 2 Jahre rund um das
Schriftprojekt entstanden sind.
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